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Theater-Netzwerk umspannt 45 Theatergruppen im Landkreis Würzburg

„… bis demnächst in diesem Theater!“ Mit diesem Titel und einem schicken bunten Äußeren kommt die erste Theaterbroschüre des Landkreises Würzburg daher. Vorgestellt wurde sie beim dritten Netzwerktreffen der Theatergruppen des Landkreises im Sängerheim Waldbrunn.

Waldbrunn sei eine Theatergemeinde durch und durch, sagte Landrat Eberhard Nuß in seiner Begrüßung. Rund 50 Vertreter von 18 Theatergruppen und sieben Bürgermeister begrüßte er beim Netzwerktreffen. Insgesamt 45 Theatergruppen gibt es im Landkreis Würzburg. „Bei 52 Gemeinden, da bin ich schon arg stolz drauf“, meinte der Landrat. „Und es ist großartig, was Sie an Theater bieten und wieviel Menschen Sie damit begeistern“, lobte er.

Diese Zahl spiegle auch wieder, wie wichtig das kulturelle Angebot für die regionale Identität und die Lebensqualität der Menschen im ländlichen Raum sei. Theater und Kultur gehörten zu den „weichen Standortfaktoren“ – zuständig für das Wohlbefinden der Bürger. Immerhin nutzen nach Recherchen des Landratsamtes mehr als 500.000 Menschen jährlich diese kulturellen Angebote. Eine beeindruckende Zahl, meinte Nuß.

Dennoch gelte es, auch Neubürger, Gäste und Touristen über die kulturelle Vielfalt des Landkreises zu informieren. Das wolle man mit der neuen Theaterbroschüre erreichen. Entstanden ist sie unter der Federführung von Michael Dröse, Leiter des Regionalmanagements im Landratsamt, und Gudrun Beck, Kultur-Sachbearbeiterin, in einer ersten Auflage von 5.000 Stück.

Nachwuchsprobleme
In einer Diskussionsrunde wurde deutlich, wo die einzelnen Gruppen der Schuh drückt. Wahrscheinlich die jüngste Theatergruppe im Landkreis Würzburg ist die Laienspielgruppe Leinach, die im Winter 2014/2015 „geboren“ wurde, wie Silke Weidner sagte. Mit Hilfestellung der Reichenberger Gruppe sei man an den Start gegangen und sehr schnell zum Erfolg gekommen. Sehr viel länger, nämlich seit 40 Jahren, spielt die Theatergruppe des Sportvereins Gaukönigshofen. „Wir haben ein echtes Nachwuchsproblem, weil wir keine Jugendlichen bekommen, da kämpfen wir schwer“, sagte Herbert Michel.

Anders hingegen die Theatergruppe Neubrunn: Da gibt es keine Probleme mit dem jugendlichen Nachwuchs. Großes Theater gab es 2012 in Greußenheim mit dem historischen Laienspiel „Kaiser Karls Gericht“ mit 85 Laienschauspielern, alle ausnahmslos Greußenheimer, berichtete Bürgermeisterin Karin Kuhn. 2017 wurde das Stück wieder erfolgreich aufgeführt. In Zukunft soll es alle zwei Jahre im Juli stattfinden.

Probleme mit den Frauen gibt es im Fränkischen Komödienstadl Burggrumbach – aber nur bei der Besetzung der Stücke, denn da fehlen sie oft, sagte Manfred Drazkiewicz. Dennoch komme man über die Runden. Ganze 13 bis 14 Mal spielt die Theatergruppe Riedenheim. Das Besondere: Die Stücke werden selbst geschrieben und den Schauspielern auf den Leib geschneidert, so Petra Fries. Die Nachwuchsarbeit sei gut, es gibt seit zehn Jahren sogar eine Jugendtheatergruppe mit 16 Aktiven zwischen sechs und 16 Jahren. Obwohl erst seit zehn Jahren aktiv, hat die Theatergruppe Reichenberg dennoch oft Besetzungsprobleme. „Die meisten von uns sind altersmäßig schon überm Strich“, schmunzelte Werner Hemrich.

Requisitenfundus und Dialekt erwünscht
Weitere Probleme mit Nachwuchs, Requisiten und Besetzung wurden auch von anderen Vertretern der anwesenden Gruppen angesprochen. Vor allem ein Fundus an Requisiten irgendwo im Landkreis wäre gut, wurde deutlich. Genau dafür sei das Netzwerk da, meinte der Landrat.

Aber auch die Mundart und der Dialekt sind ein Thema der Theatergruppen. Viele können keinen Dialekt mehr, andere verstehen ihn nicht, hieß es. In Waldbrunn löst man das Problem ganz einfach. „Bei uns bedeutet Mundart, dass jeder so spielen darf, wie ihm der Schnabel gewachsen ist“, sagte Andreas Baumeister. Es nütze nichts, wenn man im „tiefsten“ Dialekt spiele und keiner versteht´s.

„Es gibt nichts Schöneres, als Theater zu spielen!“
Und während die Laientheatergruppen im Landkreis nicht auf den finanziellen Erfolg ihrer Aufführungen angewiesen sind, sieht das im Theater Sommerhaus anders aus. „Theaterspielen ist unser Beruf, wir müssen damit Geld verdienen“, sagte Brigitte Obermeier. Dennoch gebe es eine starke Verbindung zu den Laientheatern, ihr Lebensgefährte Hannes Hirth leitet seit 20 Jahren das Mundart-Theater Waldbrunn und hat auch in Greußenheim Regie geführt.
Wichtig sei ihr, in Zukunft neben dem beruflichen Engagement auch mit Jugendlichen, Senioren oder Flüchtlingen zu spielen. Denn für sie selbst „gibt es nichts Schöneres, als Theater zu spielen“.

Und was bringt die neue Broschüre den einzelnen Theatergruppen? „Es macht uns bekannter im ganzen Landkreis. Das Netzwerk finde ich sehr gut, weil man endlich mal mit Leuten, die ähnlich gestrickt sind und ähnliche Probleme haben, reden kann“, sagte Johanna Wander, Vorsitzende des Gesangvereins Waldbrunn, unter dessen Dach die Theatergruppe Waldbrunn beheimatet ist. So müsse nicht jeder das Rad neu erfinden.

Die Broschüre gibt es u. a. in den Rathäusern im Landkreis, im Landratsamt Würzburg, in vielen Hotels und Schulen und zum Herunterladen auf www.landkreis-wuerzburg.de/Publikationen .

Bildunterschrift:
Großes Interesse fand das dritte Theater-Netzwerktreffen, zu dem Landrat Eberhard Nuß nach Waldbrunn eingeladen hatte. Foto: Wilma Wolf