(19.03.2026) Die Allianz Waldsassengau im Würzburger Westen e. V. ist ein freriwilliger Zusammenschluss von 11 Kommunen im westlichen Landkreis Würzburg. Seit 2014 kooperiert man im Rahmen der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE). Im Rahmen der turnusmäßigen ILE-Evaluierung Ende 2023 wurde "Barrierefreiheit" als eines der drei zentralen Zukunftsthemen für die weitere Entwicklung der Region identifiziert. Im neuen ILEK 2025 ist Barrierefreiheit das TOP-Thema.
Die demografische Entwicklung zeigt deutlich: Der Anteil älterer Menschen nimmt in den Allinazkommunen kontinuierlich zu, während die Zahl junger Menschen stagniert. Um die Bevölkerung im ländlichen Raum langfristig zu halten, braucht es die Sicherung der Lebensqualität und eine gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen in allen Lebensphasen und Lebenslagen. Barrierefreiheit im öffentlichen Raum gewinnt im Erreichen dieses Ziels zunehmend an Bedeutung.
Barrierefreiheit wird dabei ganzheitlich verstanden: Sie umfasst nicht nur ältere Menschen oder Rollstuhlfahrende, sondern auch Familien mit Kinderwägen, Personen mit vorübergehenden Mobilitätseinschränkungen oder Verletzungen, Menschen mit Seh- oder Hörbehinderungen sowie die digitale Barrierefreiheit, etwa bei Internetseiten. Ebenso sollen Aspekte wie Orientierung, Beleuchtung und akustische Signale einbezogen werden.
Bislang setzen einzelne Kommunen punktuelle Maßnahmen um. Es fehlt jedoch ein gemeinsames, strategisch abgestimmtes Gesamtkonzept, das die besonderen topografischen und strukturellen Bedingungen des Allianzgebiets berücksichtigt und Synergien in Zeiten knapper kommunaler Budgets nutzt.
Vor diesem Hintergrund wurde beschlossen, ein gemeinsames Konzept „Barrierefreie ILE“ zu entwickeln, das praxisorientierte Maßnahmen definiert und die Grundlage für eine abgestimmte Umsetzung in der gesamten Allianz bildet.
Zielsetzung
Ziel der „Barrierefreien ILE“ ist es, die Ortsmitten der Allianz Waldsassengau lebenslagenübergreifend für alle Menschen lebendig, liebenswert und barrierefrei zu gestalten und dauerhaft zu erhalten. Dabei steht der Grundsatz „Behindert ist man nicht, behindert wird man“ im Mittelpunkt, der verdeutlicht, dass Umgebungen so gestaltet werden müssen, dass möglichst viele Menschen ihren Alltag lange selbstständig bewältigen und aktiv am öffentlichen Leben teilhaben können.
Vor allem vor dem Hintergrund des demografischen Wandels stellt dies eine besondere Herausforderung im ländlichen Raum dar, da hier Strukturen deutlich stärker auf Selbstständigkeit und autonome Mobilität ausgerichtet sind als in städtischen Gebieten. Durch die Erarbeitung des Konzepts „Barrierefreie ILE“ soll das Bewusstsein für Barrierefreiheit in den beteiligten Gemeinden geschärft werden. Dies soll dazu beitragen, die Aufenthaltsqualität in öffentlichen Lebensbereichen für alle zu verbessern und dadurch die gleichberechtigte Teilhabe aller Nutzergruppen am öffentlichen Leben zu ermöglichen.
Das Konzept soll den Gemeinden eine fundierte Bedarfsanalyse zur Barrierefreiheit ihrer öffentlichen Flächen und Gebäude liefern. Darauf aufbauend wird ein in das Gesamtkonzept eingebetteter Handlungsleitfaden entwickelt, der konkrete, priorisierte Maßnahmen zur Umsetzung des Ziels „Barrierefreie ILE“ enthält und die Handlungskompetenz der Kommunen stärkt. Darüber hinaus soll das Projekt Synergien zwischen den Gemeinden identifizieren und einen gemeinsamen Fahrplan für die Umsetzung der Maßnahmen erarbeiten.
Insbesondere in kleineren Gemeinden im ländlichen Raum der Allianz, wie beispielsweise Holzkirchen, sind die Zugänge zu öffentlichen Räumen und Gebäuden – wie dem Rathaus – aufgrund kleiner, verwinkelter Verkehrswege und teils enger Bebauung noch nicht barrierefrei. Dies erschwert oder verhindert die Teilhabe an alltäglichen Aktionen für verschiedene Bevölkerungsgruppen. Hinzu kommt, dass die hügelige Topografie der Region mit zahlreichen innerörtlichen Höhenmetern die Erreichbarkeit sozialer Einrichtungen, beispielsweise Seniorentreffs für mobilitätseingeschränkte Personen, zusätzlich erschwert.
Als Lösungsansatz werden unter anderem an die Fahrzeiten des Bürgertaxis angepasste Öffnungs- und Veranstaltungszeiten erprobt. Einzelmaßnahmen zur Barrierefreiheit werden meist im Rahmen von Umbaumaßnahmen durchgeführt, es fehlt jedoch ein kreatives, ganzheitliches Konzept, das die Besonderheiten des Allianzgebiets berücksichtigt und die öffentlichen Räume und Gebäude barrierefrei gestaltet. Da die Erstellung eines solchen Gesamtkonzepts für kleine Gemeinden oft kapazitätsmäßig eine Herausforderung darstellt, verfolgt die ILE-Allianz Waldsassengau im Rahmen des neuen ILEK 2025 mit oberster Priorität die Erstellung eines gemeinsamen Konzepts „Barrierefreie ILE“.
Unmittelbar soll mit dem Projekt erreicht werden, dass durch die gemeinsame Analyse, Planung und Priorisierung die Barrierefreiheit nachhaltig verbessert wird, die Kommunen gestärkt und entlastet werden und die Lebensqualität sowie Teilhabe aller Bürgerinnen und Bürger im ländlichen Raum deutlich gesteigert werden können.
Die Erstellung des Konzepts "Barrierefreie ILE" wird mit Mitteln aus LEADER gefördert.
Bestandteile des Projekts
Vorgesehen sind folgende Projektbestandteile im Rahmen der Konzepterstellung:
- Bestandsanalyse und Konzept
Erhebung der Mängel unter Berücksichtigung geltender Vorgaben
Handlungsempfehlungen mit Maßnahmen und deren Priorisierung
Aufzeigen von Fördermöglichkeiten für die erarbeiteten Maßnahmen
Einführung in das Thema, Begriffsdefinition, rechtliche und sonstige Grundlagen
- Abstimmung und Mitwirkung
Erstabstimmung mit der ILE-Vorsitzenden und/oder der ILE-Umsetzungsbegleitung
Praktische Mobilitätschecks unter Einbeziehung örtlich Betroffener
Abstimmung des Gesamtentwurfs
- Abschlusspräsentation
- Konzeptionelle Umsetzung
Erstellung Erläuterungsbericht mit Text, Grafiken und Tabellen
Leistungsübersicht
Barrierefreiheit stellt eine immer wichtiger werdende Eigenschaft von öffentlichen Räumen dar. Betrachtet werden sollen die öffentlichen Flächen und Gebäude in den Ortsmitten in den von der jeweiligen Kommune vorgegebenen Grenzen sowie ggf. öffentliche und soziale Einrichtungen im sonstigen Gemeindegebiet. Private Bereiche sind nicht Teil des Konzepts "Barrierefreie ILE". Über die Öffentlichkeitsarbeit und z. B. über eine Informationsveranstaltung im Rahmen des Handlungsfeldes Innenentwicklung (nichr Teil der geplanten Untersuchung) zum barrierefreien Bauen und Sanieren kann auch eine Sensibilisierung der privaten Haushalte erreicht werden. Auch die kommunalen Internetauftritte sowie gemeindliche Apps erfordern Barrierefreiheit für die unterschiedlichen Nutzer.
Laufzeit: 6 Monate, ab ca. Mai/Juni 2026
1. Bestandsanalyse und Konzept in den von den Kommunen vorgegebenen Gebietseingrenzungen
1.1 Erhebung der Mängel unter Berücksichtigung geltender Vorgaben, mindestens für
- • Verkehrsflächen und öffentliche Freiflächen, öffentliche Gebäude (Gehwege, Querungen, Rampen, Treppen und Lifte, Handläufe, ÖPNV und Haltestellen,
- Parkplätze, Geschwindigkeiten, Gefälle, Möblierung, Ampelanlagen). Bei den öffentlichen Gebäuden sollen die Zugänge und der Eingangsbereich innen
- betrachtet werden, bei sozialen Einrichtungen die Zugänge.
- • Beleuchtung, Beschilderung/ Orientierung und akustische Unterstützung
- (öffentlicher Raum, öffentliche Gebäude),
- • Erreichbarkeit der Nahversorgung,
- • Digitaler Auftritt der Kommunen (Webseiten, Apps).
1.2 Handlungsempfehlungen mit Maßnahmen und deren Priorisierung
1.3 Aufzeigen von Fördermöglichkeiten für die erarbeiteten Maßnahmen
1.4 Einführung in das Thema, Begriffsdefinitionen, rechtliche und sonstige Grundlagen im allgemeinen Teil.
2. Abstimmung und Mitwirkung
2.1 Erstabstimmung mit der ILE-Vorsitzenden und/ oder der ILE-Umsetzungsbegleitung
2.2 Praktische Mobilitäts-Checks: Pro Kommune soll ein sogenannter „MobilitätsCheck“ unter Beteiligung von Verwaltung, Expert/-innen und Betroffenen stattfinden.
Teilnehmer/-innen können z. B. Bürgermeister/-innen, Bauverwaltung, Beauftragte (z. B. Behinderten-, ÖPNV-, Senioren-) und örtlich Betroffene wie Senioren mit Rollator, Seh- oder körperlich behinderte Bürger/-innen, Eltern mit Kinderwagen sein. Im Rahmen einer gemeinsamen Begehung sollen, ergänzend zur Bestandsaufnahme durch das Büro, an neuralgischen Punkten Mängel ersichtlich werden. Gleichzeitig bieten sich diese Begehungen für die Öffentlichkeitsarbeit zum Projekt an.
2.3 Abstimmung des Gesamtentwurfs
2.4 Abschlusspräsentation
3. Konzeptionelle Umsetzung
Erläuterungsbericht mit Text, Grafiken, Karten und Tabellen. Das fertige Konzept soll der Allianz Waldsassengau e.V. einmal in Papierform sowie als druck- und
internetfähige PDF überlassen werden.
Zu betrachtende Gebiete:
Gebietseingrenzungen der Gemeinden: