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„So kann es nicht weitergehen“ – war der einhellige Tenor der Protagonisten des Filmes „Bauer unser“ des österreichischen Regisseurs Robert Schabus aus dem Jahre 2016. Auch die rund 60 Zuschauer in der vollbesetzten Remlinger Pfarrscheune schlossen sich diesem Urteil an. „Wir müssen unseren politischen Vertretern klar machen, dass wir eine andere Landwirtschaftspolitik brauchen!“ so der Appell eines Zuschauers.

Zum Filmabend eingeladen hatten die Öko-Modellregion Waldsassengau, der Markt Remlingen sowie der Bund Naturschutz Remlingen.

Regisseur Schabus, der selbst aus der Landwirtschaft stammt, besucht österreichische Bauernhöfe, konventionelle und biologisch wirtschaftende. Er lässt u.a. die Betriebsleiter zu Wort kommen. Einige folgten dem jahrzehntelangen Gebot des „Wachsen oder Weichens“ und müssen heute dennoch hilflos dem Preisverfall ihrer Erzeugnisse zusehen. Nicht zuletzt durch die Beseitigung der Milchquote im Jahr 2015 kam es zu einem gnadenlosen Verdrängungswettbewerb. Der unkontrollierte Anstieg der Milchproduktion führte dazu, dass vor allem Großbetriebe dem Preissturz standhielten. Kleinere Höfe gingen in die Insolvenz, flüchteten sich in die Umstellung auf Öko-Landbau oder kämpfen noch immer verzweifelt um ihre Existenz. Die entstandene Überproduktion wird als Milchpulver eingelagert und in afrikanische oder südamerikanische Länder exportiert, wo sie zu Dumpingpreisen die heimische Milchwirtschaft unrentabel werden lässt und in der Folge zu Fluchtbewegen führt.

In Europa schließen jährlich rund 350.000 Bauernhöfe, die den Gesetzen der freien Marktwirtschaft nicht mehr gewachsen sind. Mit jedem dieser Höfe stirbt auch ein Stück ländlicher Identität.

Diese Erkenntnis ließ die Zuschauer des Filmes zunächst ratlos zurück, Wege aus der Misere deutete der Film zwar an – nämlich auf regionale und nachhaltige Produktionsbedingungen zu achten, aber das grundlegende Dilemma könne durch einen bewussteren Konsum alleine nicht gelöst werden.

Vor allem die Politik ist gefordert, geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen, die der ökologischen, kulturellen und sozialen Bedeutung europäischer Landwirtschaft Rechnung tragen und die imstande sind, langfristig deren Existenz zu sichern. Die bisherige Förderpolitik, die ohne Deckelung der Gesamtfördersumme, Fördermittel je Hektar auszahlt, muss auf den Prüfstand – denn auch die unverhältnismäßige Förderung großer, hektarstarker Betriebe stellt eine Wettbewerbsverzerrung dar.

Die Öko-Modellregion Waldsassengau setzt am 25.03.18 ihre Filmreihe fort und zeigt in der evangelischen Kirche Eisingen den Dokumentarfilm „More than honey“ – mehr dazu unter: www.oekomodellregionen.bayern